EU-Leitlinien zur Stärkung kritischer Infrastrukturen

Die Europäische Kommission hat am 11. September 2025 neue Leitlinien veröffentlicht, um die Resilienz kritischer Infrastrukturen in der EU zu erhöhen. Sie sollen Mitgliedstaaten dabei unterstützen, die Vorgaben der Richtlinie (EU) 2022/2557 umzusetzen und Einrichtungen besser gegen hybride Bedrohungen wie Sabotage oder Cyberangriffe abzusichern.

Ausgangslage und Zielsetzung

Die Leitlinien ergänzen das 2022 eingeführte Regelwerk zur Resilienz kritischer Einrichtungen. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, nationale Strategien zu entwickeln, kritische Einrichtungen zu identifizieren und Risikoanalysen vorzunehmen. Die neuen Empfehlungen bieten dafür praxisbezogene Orientierung und fördern eine einheitlichere Umsetzung in der EU.

Betroffene Sektoren

Insgesamt elf Sektoren stehen im Fokus der Leitlinien, darunter:

  • Energieversorgung,
  • Verkehrssysteme,
  • Trink- und Abwassernetze,
  • Lebensmittelversorgung,
  • Banken und Finanzmarktinfrastrukturen,
  • Digitale Infrastruktur.

Diese Bereiche gelten als besonders relevant für das Funktionieren grundlegender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse.

Kernelemente der Leitlinien

  • Identifikation kritischer Einrichtungen: Mitgliedstaaten sollen bestehende Risiko- und Kritikalitätsanalysen nutzen, um Einrichtungen zu bestimmen, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen auf Gesellschaft oder Wirtschaft hätte.
  • Risikobewertungen: Die Leitlinien fordern systematische Analysen physischer, technischer und digitaler Risiken. Dazu gehören Bedrohungen durch Naturereignisse, Sabotage, Terrorismus oder Cyberangriffe.
  • Technische und organisatorische Vorkehrungen: Kritische Einrichtungen müssen geeignete Schutzmaßnahmen treffen, darunter bauliche, technische und betriebliche Sicherheitsvorkehrungen sowie Notfall- und Wiederanlaufpläne.
  • Melde- und Krisenmechanismen: Betreiber kritischer Einrichtungen sollen sicherstellen, dass Störungen zeitnah gemeldet und koordinierte Reaktionen eingeleitet werden können.
  • Zusammenarbeit: Die EU unterstützt Mitgliedstaaten mit Best Practices, Schulungen und Methoden, um die Resilienzmaßnahmen europaweit zu harmonisieren.

Finanzierung

Für die Umsetzung stehen Mittel aus dem EU-Fonds für die innere Sicherheit zur Verfügung.

  • Zeitraum 2021–2027: 1,93 Mrd. EUR
  • Zusätzliche Soforthilfe zur Untersuchung von Vorfällen: 2,7 Mio. EUR
  • Vorschlag der Kommission für 2028–2034: Verdreifachung der Mittel für innere Sicherheit

Bedeutung für kritische Dienste

Die Leitlinien unterstützen Mitgliedstaaten und Betreiber darin, die Funktionsfähigkeit grundlegender Dienste auch unter Belastungssituationen sicherzustellen – beispielsweise bei Naturkatastrophen, koordinierten Angriffen oder großflächigen IT-Störungen. Damit tragen sie zu einer robusteren Versorgungssicherheit in Europa bei.

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