BaFin legt Enforcement-Schwerpunkt für 2026 fest

Symbolbild: Draufsicht auf ein rundes Treppenhaus, das sich optisch nach unten verjüngt, symbolisiert die Fokussierung auf Schwerpunkte.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ihren Enforcement-Schwerpunkt für das Jahr 2026 veröffentlicht. Im Fokus stehen dabei die Lageberichte zu Jahres- und Konzernabschlüssen 2025 kapitalmarktorientierter Unternehmen. Der Schwerpunkt betrifft die Art und Weise, wie Unternehmen die Auswirkungen makroökonomischer Veränderungen in ihrer Berichterstattung darstellen.

Die Prüfung erfolgt im Rahmen der Bilanzkontrolle und ergänzt die auf europäischer Ebene festgelegten Schwerpunkte der ESMA.

Fokus der BaFin: Makroökonomische Entwicklungen im Lagebericht

Nach Angaben der BaFin wird im Jahr 2026 schwerpunktmäßig geprüft, ob und wie Unternehmen in ihren Lageberichten auf die Folgen makroökonomischer Veränderungen eingehen. Hintergrund ist eine wirtschaftliche Situation, die unter anderem geprägt ist durch:

  • Handelsbeschränkungen,
  • volatile Rohstoff- und Energiepreise,
  • strukturelle Anpassungsprozesse,
  • technologische Veränderungen sowie
  • neue regulatorische Anforderungen.

Zusätzlich nennt die BaFin den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz, globalisierte Wertschöpfungsketten und damit verbundene Unsicherheiten als Faktoren, die sich auf die wirtschaftliche Lage von Unternehmen auswirken können.

Anforderungen an die Darstellung im Lagebericht

Unternehmen sind verpflichtet, im Lagebericht ein nachvollziehbares und ausgewogenes Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung zu vermitteln. Nach Auffassung der BaFin umfasst dies insbesondere:

  • eine umfassende Analyse relevanter makroökonomischer Einflussfaktoren,
  • die sachgerechte Darstellung von Chancen und Risiken,
  • eine plausible Herleitung von Prognosen sowie
  • die Konsistenz zwischen interner Steuerung und externer Berichterstattung.

Der Lagebericht darf sich nicht allein auf interne Steuerungsgrößen oder subjektive Einschätzungen der Unternehmensleitung beschränken.

Typische Fehlerquellen aus Sicht der Bilanzkontrolle

Die BaFin weist auf wiederkehrende Mängel hin, die in der Vergangenheit bereits zu Beanstandungen geführt haben. Dazu zählen insbesondere:

  • unzureichende oder nicht belastbare Datengrundlagen,
  • zu optimistische Annahmen bei Prognosen,
  • eine unzureichende Darstellung möglicher negativer Entwicklungen,
  • Widersprüche zwischen interner Planung und externer Berichterstattung.

Nach Angaben der BaFin wurden Lageberichte beanstandet, in denen die gesetzlichen Anforderungen nicht hinreichend umgesetzt wurden.

Bedeutung einer objektivierten Berichterstattung

Die Aufsicht betont, dass Unternehmen im Interesse des Kapitalmarkts einen objektivierten Maßstab bei der Berichterstattung anlegen müssen. Eine transparente und vollständige Darstellung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung trägt dazu bei, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Resilienz eines Unternehmens nachvollziehbar zu machen.

Aussagen zu Themen wie Innovationspotenzialen, Investitionen in neue Technologien oder Strategien zur Anpassung an strukturelle Veränderungen können dabei ein differenziertes Bild vermitteln, sofern sie sachgerecht und nachvollziehbar dargestellt werden.

Berücksichtigung der ESMA-Prüfungsschwerpunkte

Neben dem eigenen nationalen Schwerpunkt berücksichtigt die BaFin auch die von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) festgelegten Prüfungsschwerpunkte. Diese wurden im Oktober 2025 veröffentlicht (wir berichteten).

Für IFRS-Abschlüsse stehen dabei insbesondere im Fokus:

  • die Auswirkungen geopolitischer Risiken und Unsicherheiten sowie
  • die Segmentberichterstattung.

Diese Themen fließen in die Stichprobenprüfungen für das Geschäftsjahr 2025 ein.

Einordnung

Der Lagebericht ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Berichtselement und zugleich ein zentrales Kommunikationsinstrument gegenüber dem Kapitalmarkt. Die von der BaFin angekündigten Prüfungsschwerpunkte verdeutlichen die Bedeutung einer konsistenten, nachvollziehbaren und vollständigen Berichterstattung in einem von wirtschaftlichem Wandel geprägten Umfeld.

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