Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch: BaFin-Rundschreiben 06/2019 (BA)

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Hintergrund:

Die neuen „Leitlinien zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs“ (EBA/GL/2018/02) der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde bewirkten eine erneute Überarbeitung des nationalen Rundschreibens. So hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 12. August 2019 das finale Rundschreiben 6/2019 (BA) für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch (ZÄR im AB) veröffentlicht, welches das Rundschreiben 9/2018 (BA) ablöst.


Wesentliche Änderungen – Zusätzliche Zinsszenarien & Änderung bei der Fremdwährungsaggregation:

Die Vorgaben des Rundschreibens zur Berechnung der aufsichtlichen Zinsschockszenarien sind erstmalig zum Meldestichtag 31. Dezember 2019 zu berücksichtigen. Dabei gelten die formulierten Anforderungen fortan sowohl auf Einzel- als auch auf Gruppenebene.

Unter den neuen Anforderungen befindet sich ein Frühwarnindikator, der die Änderungen des Zinsbuchbarwerts in Relation zum Kernkapital darstellt und sich aus 6 Zinsszenarien ergibt. Diese Szenarien umfassen

  • eine Parallelverschiebung aufwärts,
  • Parallelverschiebung abwärts,
  • Versteilung,
  • Verflachung,
  • einen Kurzfristschock aufwärts sowie
  • Kurzfristschock abwärts.

Die Schwelle des Frühwarnindikators liegt bei 15 Prozent.

Auch die Bezeichnung „wesentliche Fremdwährungsposition“ wurde im Zuge der Neufassung konkretisiert. Machen die lautenden zinstragenden Positionen einer Währung mindestens 5 Prozent der zinstragenden Positionen der Aktiv- oder Passivseite im Anlagebuch aus, wird diese fortan als „wesentlich“ bezeichnet. 


Weitere Änderungen:

Im Rahmen der Cashflow-Berechnung sind Wertanpassungen von notleidenden Risikopositionen vorgesehen. Diese Positionen sind als allgemeine zinssensitive Instrumente einzubeziehen, sobald das Verhältnis von notleidende Risikopositionen zu allen anderen Krediten 2 Prozent oder mehr beträgt.

Für jede Währung wurde eine Zinsuntergrenze definiert.

Die Berechnung des Zinsbuchbarwerts beziehungsweise seiner Änderungen wurde konkretisiert.


Handlungsbedarf:

  • Anpassung der internen Verfahren
  • Erweiterung des Meldeformulars um absolute Barwertänderung sowie die Koeffizienten aus Barwertänderung und Kernkapital für die sechs Zinsszenarien des Frühwarnindikators
  • Berechnung der Zinsschockszenarien auf Gruppenebene einführen

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